Das Aufnähen der Sprungfeder

Einmal kann das Aufnähen derart besorgt werden, das alle Federn oder wenigstens eine größere Anzahl derselben mit einem Aufnähbindfaden im Zusammenhang stehen. Ein andermal wird jede einzelne Feder extra aufgenäht, wobei jedesmal der gut verknotet und erforderlichenfalls abgeschnitten wird. Zum dritten können die Fäden, die von einem Stich zum anderen führen, obenauf, das heißt ins Innere des Sitzes verlegt werden, zum Unterschied der allgemein üblichen Gepflogenheit, die langen Fäden auf der Gurtunterseite aufliegen zu lassen. Bei allen Aufnähungsarten ist der Forderung auf straffe Fadenanziehung, auf dich den Fadendraht umfassende Fadendichte Rechnung zu tragen, wie auch die Zahl der Stiche eine möglichst große sein sollte. Ich habe mit Verwunderung wahrgenommen das manche Polsterer ihre Federn mit vier oder gar drei Stichen aufnähen. Mindeststichzahl darf nicht weniger als 5 betragen. Man kann die Stiche in Einzelverknotung, oder Umschlingung, oder in einfacher Vorderstichmanier ausführen. In Abbildung 666 sind uns alle hier angeführten Aufnäharten bildlich vorgeführt. Die Aufnähung im Zusammenhang kann gut und haltbar ausgeführt werden, sobald man bei jeder Feder eine Schlußverknotung macht. Dann kann man auch den Vorderstich dabei gelten lassen. Bei Strapaziermöbeln, z.B. bei Herren- und Klubfauteulis (Sessel) ist der umschlungene Stich oder auch die Einzelverknotung zu empfehlen. Es muss hier angeführt werden, das zu den Eigenschaften eines soliden Möbelstücks das Zuspannen der Unterseite mit Canevas (Leinwandgewebe), Schirting (baumwollartiges Gewebe) oder Diagonal gehört. Will nun dieses Zuspannen aus irgend welchen Gründen unterlassen werden, so kann es vorkommen, das man, um einem mutwilligen Aufschneiden der langen Aufnähstiche vorzubeugen, diese lezteren ins Innere des Sitzes verlegt. Unten rechts bei Abbildung 666 ist diese Aufnähmanier gezeigt. Links daneben ist die gewöhnliche, an der Innenseite des Möbels sichtbare Aufnähung vorgeführt, wobei augenfällig gemacht ist, das die Verknotung jeglicher Fadenenden nicht auf der Gurtunterseite geschehen hat. Auch dann nicht, wenn die Unterseite später zugespannt wird.

 

Es beruht auf praktischer Erfahrung, daß man während des Aufnähens am besten den Faden an der Unterseite anzieht. So gibt es sich von selbst, das sofort beim Emporstechen kurz heraufgezogen wird, nur soweit, als zum Umkehren der Aufnähnadel erforderlich ist. Noch ist über das Werkzeug und den zur Verwendung passenden Faden zu berichten. Die Aufnähnadel kann entweder durchaus rund fein, also wie eine Garniernadel, nur etwas kräftiger und dicker. Oder sie kann an der Spitze auf eine Länge von vier oder fünf Zentimeter breitgedrückt und zweischneidig sein. Dabei dürfen aber die Schneiden nicht so scharf sein, daß sie die Gewebefäden entzweischneiden, sondern nur etwas auseinanderdrängen. Auch die Spitze selbst sei etwas abgestumpft. Die Länge der Nadel ist zirka 14 bis 18 Zentimeter. Der zur Verwendung kommende Bindfaden muß zwar nicht besonders dick, aber kräftig und gut gezwirnt sein. Man glättet ihn mit Wachs, um ihn vor frühzeitiger Verschleißung zu schützen. Wer jeder Eventualität, also auch einer Feuchtigkeitseinwirkung in späteren Zeiten vorbeugen will, verwendet wohl auch gepichten (mit Pech bestrichen oder überzogen) Bindfaden. Ich habe bei alten Polstern zuweilen solche Gepflogenheiten wahrgenommen und muß die Meister früherer Zeiten loben, die so gewissenhaft waren und unter allen Umständen haltbare Arbeiten herzustellen sich bemühten.