Bei Flachpolstern gibt es in betreff der Sitzzargen und Lehnarmen verschiedene Holzausführungen, so das man unterscheiden kann einmal zwischen Blindholzzargen und Blindholzrahmen und zwischen sichtbaren Zargen und Rahmen. Desweiteren sind bei letztgenannten insofern Verschiedenheiten zu Verzeichnen, als erstens für den Sitz auf der Zarge aufliegende Rahmen vorhanden sind, wie sie meist bei Rohrgeflechten zu finden sind, zweitens die Zargen selbst regelrechte Rahmen darstellen wie bei Abb.: 459, drittens Border und Oberteil der aufrechten Zargen sichtbar bleiben und viertens, als nur ein größerer oder kleinerer der Zargenvorderseite das Holz sichtbar lässt. Betrachten wir uns die drei F auteuil (Lehnsessel) der Abb.: 460, so finden wir in dem links gezeigtem Beispiel eine aufrechtstehende Zarge, bei der das Holz sowohl vorn als oben zu sehen ist, während wir in den beiden anderen Möbeln Blindholzrahmen vor uns haben, wobei der eine Sitz ohne, der andere mit Nägel beschlag verziert ist, ebenso wie die Flachpolsterlehne letzeren Möbels.
Es ist erklärlich das der Schreiner bei der Herstellung der Zargen und Rahmen dem Polster Rechnung zu tragen hat. Das Trifft namentlich bei den Sitzen und Lehnen mit sichtbaren Holzteilen zu. Hier ist nämlich eine vertiefte Stelle im Holz herzustellen, in welche sich die Spannleine, Polsterleine, der Überzug und die Beschlagnägel einzupassen haben. Man nennet die Vertiefung den Polsterfalz. Es wird jeweils, bevor die Tiefe des Falzes bestimmt wird, festzustellen sein, ob ein dicker oder dünner Stoff, ob große oder kleine Beschlagnägel für das Polster verwendet werden sollen. Befindet sich der Falz vorn an der Zarge, so wird er in der Regel weniger tief zu sein haben, als der oder der Zarge sitzende. Denn es braucht dann nur die Stoffdicke vertieft zu werden, nicht aber die Höhe der Beschlagnägelköpfe. Wir können uns das durch die Abbildungen deutlich machen. In Abb.: 462 ist der Falz gerade so tief, daß die umgeschlagene Stoffkante mit der Holzkante eben ist, während in Abb.: 463 auch noch die Dicke der Gimpe (Bordüre) berechnet werden musste, weil sie unten aufzusitzen hat und nicht über das Holz ragen soll.
Die vorstehenden Nagelköpfe aber verleihen dem Möbel einen wertvollen Schmuck und sind übrigens nicht beim Gebrauch des Möbels hinderlich. Anders steht es mit dem oben auf der Sitzzarge sich befindlichem Falz, bei dem es erwünscht ist, wenn auch die Nagelköpfe in die Versenkung kommen. Wenngleich niemals sehr hohe Nagel für die Aufgenagelten Flachpolster in Anwendung kommen, so ist doch in Abb.: 464 gezeigte Methode beliebter als die in Abb.: 465 angegebene, wobei die Nägelköpfe obenauf liegen. Wo der Nägelbeschlag bei einem Oberfalz aus irgend einem Grunde wegfallen soll, muß aber durchaus dafür gesorgt werden, das die Gimpe (Bordüre) in der Versenkung liegt (Abb.: 466), denn eine über die Holzfläche vorstehende Gimpe wird an Ihren Kanten durch die Benutzung gern umgekrempelt und locker gemacht. Die Gebräuchlichste Ausfürhrungsart des Flachpolsters ist die, bei der das gesamte Polster an der Zarge obenauf liegt. Wir sehen in Abb.: 462 – 467 diese Polsterart angedeutet. Es ist aber zu begrüßen, wenn zur Aufnagelung des Grundstoffes ein weiterer zweiter Falz angebracht ist, Abb.: 468. Es ist dadurch die Möglichkeit gegeben, bei Sitz und Lehnen mit sichtbaren Holz eine schönere Arbeit herzustellen.
Auf welche Weise man den Gurtengrund für ein Flachpolster ausführen kann zeigt uns die Abb.: 470. Wir haben das eine mal eine Gurtenaufspannung der einfachsten Art vor und, wobei nur eine Richtung hin zur Unterstützung der Leinwandspannung einige Gurten sichtbar sind. Das andere Mal sind einige Gurten auch nach der anderen Richtung hin aufgezogen, und im dritten Beispiel ist die empfehlenswerteste Art der Gurtenunterspannung aufgezeigt. Hier güllen die Gurten fast lückenlos den ganzen Zargenspiegel aus.
Wir finden bei nun folgenden Arbeite, die die bei einem in Fasson gearbeiteten obenauf genagelten Flachpolster üblich sind, in allen Fasen bis „fertig in Weis“ auf Abb.: 474 und 487 dargestellt. In erster Figur auf Abb.: 474 sehen wir über die Gurten aufgezogene und auf die Zargen festgenagelte Leinwand. Es folgt in zweiter Figur die Darstellung Lassierstiches, auch Einhängestich genannt, der überdies auch von oben gesehen in Abb.: 476 zu sehen ist. |
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